Warum ein fremder Ort gefährlicher ist als der eigene Hof
Dein Hund kennt den Weg nach Hause, auch wenn du nie darüber nachgedacht hast. Über Jahre voller Spaziergänge hat er sich gemerkt, wo er abbiegen muss, welcher Geruch zu eurer Haustür führt und wie der Hof am Morgen klingt. Entwischt er vor der Wohnung, hat er einen Anhaltspunkt. Im Urlaub fällt diese ganze Karte weg. Das gemietete Häuschen am See riecht fremd, die Wege daneben führen ins Nichts, und ein Hund, der sich einmal erschreckt, weiß nicht, in welche Richtung er laufen soll, um zurückzukommen.
Bei der Katze ist es ähnlich, vielleicht sogar schlimmer. Eine Katze legt sich im Kopf einen genauen Plan vom Gelände an: wo die Verstecke sind, wo ihr Revier endet, welchen Weg sie zurücknimmt. In der neuen Wohnung greift nichts davon. Es reicht, dass sie durch ein gekipptes Fenster springt, und ein paar Minuten später ist sie an einem Ort, den sie überhaupt nicht wiedererkennt. Es gibt kein Zuhause, zu dem sie zurückfinden könnte, also sucht sie nicht danach, sondern versteckt sich und bleibt still.
Dazu kommt noch etwas. In fremder Umgebung kennt niemand dein Tier. Zu Hause erkennt die Nachbarin den Hund aus dem dritten Stock und bringt ihn an die Tür. Am Meer oder auf dem Campingplatz bist du anonym, und ein gefundener Hund ist für alle einfach ein fremder Hund ohne Besitzer.
Urlaubssituationen, in denen ein Tier in Sekunden verschwindet
Campingplatz, Abend. Jemand zwei Zelte weiter zündet Böller oder Feuerwerk, weil er gerade etwas zu feiern hat. Dein Hund, den ganzen Tag ruhig, reißt sich plötzlich los und flüchtet in die Dunkelheit zwischen die Bäume. Am Tag käme er der eigenen Spur nach zurück, aber nachts, in Panik, in einem Wald, den er nicht kennt, läuft er einfach geradeaus, bis er ein paar Kilometer weiter vor Erschöpfung stehen bleibt.
Der Strand in der Hochsaison ist der zweite solche Ort. Menschenmenge, Kinder, andere Hunde, von überall Essensgerüche. Du lässt die Leine kurz los, um die Decke auszubreiten, und der Hund setzt einer Möwe oder einem Artgenossen nach und ist zwischen den Sonnenschirmen verschwunden. An einem vollen Strand reichen zwanzig Meter, und du siehst ihn schon nicht mehr.
Manchmal geht es ruhiger zu und endet trotzdem mit Suchen. Du kommst bei der Familie an, öffnest das Gartentor, und der Hund huscht auf eine unbekannte Straße. Oder du hältst auf halber Strecke an einer Tankstelle, jemand öffnet die Autotür einen Spalt, und die Katze, die nur kurz durchatmen sollte, springt an einen Ort, der zweihundert Kilometer von allem entfernt ist, was sie kennt. Jede dieser Situationen dauert einen Moment, die Folgen ziehen sich über Tage.
Was du vor der Abreise erledigen solltest, um ruhiger zu schlafen
Das Wichtigste dauert fünf Minuten und geht vom Sofa aus, bevor du die Koffer packst. Geh ins Konto und prüf, ob die Angaben im Profil deines Hundes aktuell sind. Wenn du im Urlaub unter einer anderen Nummer erreichbar bist, trag sie ein. Wenn du ein Häuschen mietest, kannst du die Adresse eintragen, unter der du wohnst, damit ein Finder weiß, dass das Tier weit weg von zu Hause ist. Das Schöne daran ist, dass die Marke dieselbe bleibt und du nur änderst, was nach dem Scannen zu sehen ist. Du kaufst keine neue Marke für die Urlaubszeit.
Mach außerdem ein frisches Foto, am besten eines, auf dem die Silhouette und besondere Merkmale gut zu erkennen sind. Wenn der Hund gerade im Fellwechsel ist oder du die Katze vor der Reise beim Groomer hast scheren lassen, hilft ein Foto von vor einem Jahr in der Anzeige wenig. Prüf bei der Gelegenheit, ob die Marke fest am Halsband sitzt und ob Halsband oder Geschirr nicht schon durchgescheuert sind. Ein erschrockener Hund kann sich mit einem einzigen Ruck aus lockerem Zeug befreien.
Für eine längere Strecke oder ins Gedränge lieber ein Geschirr anlegen als nur das Halsband, denn aus einem Geschirr rutscht man schwerer heraus. Kontrollier die Verschlüsse, die Karabiner und ob die Marke nicht an einem ausgeleierten Ring baumelt. Das sind alles Dinge, die zu Hause jahrelang klaglos halten, und doch gerade am fremden Ort, im ungünstigen Moment, gern versagen.
Wenn es trotzdem im Urlaub passiert
Käme es zum Schlimmsten, gelten ähnliche Regeln wie zu Hause, du musst sie nur damit in Einklang bringen, dass du in fremdem Gebiet bist. Durchsuch zuerst gründlich die nähere Umgebung, denn ein erschrockenes Tier versteckt sich meist nicht weit und bleibt still. Dann geh ins Konto und markier dein Tier als vermisst, damit jeder, der die Marke scannt, sofort sieht, dass du es suchst.
Sag vor Ort Bescheid: an der Campingrezeption, beim Vermieter des Häuschens, in den örtlichen Online-Gruppen und beim nächsten Tierarzt. Ist es im Ausland entlaufen, schreib die Anzeige auch in der Landessprache, notfalls über den Übersetzer im Handy, denn suchen werden vor allem die Einheimischen. Den ganzen Plan für die ersten Stunden habe ich in einem eigenen Beitrag darüber aufgeschrieben, was zu tun ist, wenn ein Hund entläuft, und in Ruhe lohnt sich ein Blick hinein.